Kammermusik Basel

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Werkdetails

Oktett B-dur für 2 Violinen, 2 Violen, Violoncello und Kontrabass, op. post. (1920)

Max Bruch
1838-1920
Allegro moderato
Adagio – Andante con molto di moto
Allegro molto

Dauer ca: 00:24

Das Streichoktett ist Bruchs letztes Werk, sieben Monate vor seinem Tod vollendet. Er hat es sich wohl von seinem Freund und Auftraggeber, dem Geiger Willy Hess, noch privat vorspielen lassen. Dass es nicht bekannt wurde, mag daran liegen, dass der Erzromantiker und Brahms-Bewunderer Bruch 1920 nicht mehr der Zeit entsprach; man hat ihn als «Fremdkörper» bezeichnet. Der Hauptgrund war, dass die Partitur lange Zeit vergessen war. Nachdem sie durch viele Hände gegangen war, tauchte sie erst 1986 bei einer Auktion in New York auf und gelangte später in die Österreichische Nationalbibliothek. Gedruckt wurde sie 1996. Heute wird das Werk nicht selten aufgeführt. Natürlich handelt es sich um ein zutiefst romantisches und melodisch geprägtes Werk. Bereits 1867 hatte Bruch bemerkt, er habe, seit er «zurechnungsfähig» sei, immer «den Hauptnachdruck auf die Melodik» gelegt. So beginnt der Kopfsatz mit einem lyrischen Thema in B-dur in Viola und Violine. Es folgen dramatischere Partien in D-dur und d-moll mit dem lebendigen Seitenthema. Die lyrischen und dramatischen Gedanken werden kombiniert und entwickelt. Das Adagio in es-moll beginnt leise mit einem einprägsamen rhythmischen Motiv, das später immer wieder auftaucht. Man hat diesen Teil tragisch, elegisch oder melancholisch genannt und vermutet, er sei unter dem Eindruck des Todes von Bruchs Frau Clara im Vorjahr entstanden. Daneben finden sich durchaus helle Passagen. Auffällig ist der Andante-Teil in H-dur mit einer lyrischen Melodie in der Violine, der die Schwermut wegzuwischen scheint. Nach Rückkehr der es-moll- und H-dur-Partien wendet sich der Satz zum Schluss nach Es-dur. Man hat das Gefühl, Bruch habe die tragischen Ereignisse überwunden. Das Finale jedenfalls lebt von Schwung und brillanter Virtuosität mit kürzeren lyrisch-kantablen Einschüben. Mit diesem an Mendelssohn erinnernden Satzcharakter gibt sich der alte Bruch geradezu als jung Gebliebener.

Aufführungen

907 23.2.2016 Athenäum Quartett