Kammermusik Basel

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Werkdetails

Streichquartett Nr. 2 (1959)

Elliott Carter
1908-2012
Introduction
Allegro fantastico – Cadenza for Viola –
Presto scherzando – Cadenza for Cello –
Andante espressivo – Cadenza for Violin –
Allegro –
Conclusion

Elliott Carter hat nicht durch spektakuläre, die Publizität suchende Auftritte auf sich aufmerksam gemacht, sondern durch seine gediegene, sorgfältige, aber nichtsdestoweniger lebendige Musiksprache. Er will – bei aller Radikalität – nicht aufbegehren, sondern kommunizieren. Er sucht die «fokussierte Freiheit» des Diskurses, nicht die Konfrontation. Nach den Nr. 1, 4 und 5 kommt heute in unseren Konzerten das 2. Stück zum Zuge. Es ist vor beinahe 50 Jahren entstanden und steht genau in der Lebensmitte Carters. 1960 wurde es vom Juilliard String Quartet uraufgeführt und erhielt in den Folgejahren drei Preise (Pulitzer, New York Music Critics Award, UNESCO). Es handelt sich also um ein reifes Werk. Bereits das 1. Quartett von 1951 wurde als Meilenstein der amerikanischen Musik angesehen. In der Zwischenzeit hatte Carter ein dreijährige Schaffenspause eingelegt. Das 2. Quartett zeigt noch stärker die Verfeinerung der musikalischen Ausdrucksmittel. Nicht Themen stehen im Vordergrund, sondern die Ausdrucksmittel der einzelnen Instrumente, denen jeweils eigene, in ihrer Beziehung zueinander genau definierte Intervalle und ein eigenes typisches Verhalten zugewiesen werden, während sich das Quartett als ganzes mit dem Verhältnis der vier Stimmen zueinander auseinandersetzt. Die 1. Violine gibt sich virtuos, selbstbewusst und phantastisch, während Carter die Spielweise der zweiten mit «laconic, orderly...sometimes humorous» bezeichnet. Die Bratsche spielt ausdrucksvoll klagend, das Cello impulsiv, was sich in Accelerandi und Ritardandi äussert. Die Dichte dieser Elemente nimmt im Verlauf des Werks immer mehr zu, bis im letzten Satz das Cello mit seinem Accelerando die Mitspieler zum Höhepunkt führt. Das Quartett ist letztlich klassisch viersätzig, ergänzt durch Einleitung und Schluss sowie überleitende Kadenzen zwischen den eigentlichen Sätzen. Die sorgfältige Planung und Ausarbeitung des Werks erkennt man daran, dass 2000 Seiten Skizzen vorliegen, während die Partitur selbst 62 Seiten umfasst.

Aufführungen

818 25.11.2008 Pacifica Quartet