Kammermusik Basel

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Werkdetails

Streichquartett Es-dur, op. 1/2, Ben. 302

Ignaz Pleyel
1757-1831
Allegro
Menuetto – Trio
Adagio ma non troppo – Presto – Adagio – Presto

Schüler Haydns war von 1772 bis 1777 dank der Unterstützung von Graf Ladislaus Erdödy der in Ruppersthal (Niederösterreich) geborene Ignaz Joseph Pleyel. Darauf wurde er Kapellmeister seines Förderers in Pressburg. 1783 ging er nach Strassburg, wo er zunächst als Assistent, später als Kapellmeister an der Kathedrale wirkte, und zeitweise nach London. 1795 zog es ihn nach Paris. Als der Erfolg seiner Kompositionen vor allem nach der Jahrhundertwende nachliess, machte er sich als Verleger (seit 1797) – 1801/02 brachte er die erste Gesamtausgabe der Quartette Haydns heraus – und ab 1807 vor allem als Klavierbauer einen Namen. Chopin liebte seine Klaviere und besass zwei Pleyels. Pleyels Quartette op. 1 erschienen im November 1783 mit Widmung an Graf Erdödy in Wien bei Rudolf Graeffer, Mitte Dezember 1784 ebenda die Haydn gewidmeten Quartette Opus 2. Beide Opera umfassen je sechs Quartette. Im Gegensatz zu den gleichzeitigen Quartetten Haydns und Mozarts sind sie – wie in Wien damals meist üblich – in der Regel dreisätzig, vereinzelt zweisätzig (in op. 2 ist eines viersätzig; im Opus 3 sind sie zumindest teilweise viersätzig). Pleyels Quartette sind gewollt einfacher als die Haydns oder Mozarts. Thematische und kontrapunktische Arbeit ist darin nicht stark gewichtet. Man hat Pleyel nachgesagt, er habe weniger Tiefgang als Haydn und er ziele auf Gefälligkeit und Unterhaltung. Das muss keine Abwertung sein, zumal wenn es Pleyels eigener Entschluss war, diesen Stil zu pflegen. Wie die Diskussion zwischen Vater und Sohn Mozart zeigt, war das damals ein umstrittener Punkt, welcher über (finanziellen) Erfolg entscheiden konnte. Der Kopfsatz des Es-dur-Quartetts Ben. 302 beginnt markant mit einer unisono-Passage in allen vier Instrumenten, bevor sich die Stimmen unter Führung der 1. Violine aufteilen. Immer wieder tauchen, auch im Mittelteil, unisono-Passagen auf. Den Mittelsatz bildet ein «ganz einfaches, aber nicht ganz kunstloses Menuett» mit einem pianissimo gehaltenen Trio. Der dritte Satz ist in zwei langsame Abschnitte mit punktierten Rhythmen und zwei heitere Presto-Teile gegliedert. Das wirkt mehr wie eine Verknüpfung von langsamem Satz und Final-Presto als wie ein Finalrondo mit langsamer Einleitung. Das Presto, «das alle einfacheren Überraschungstechniken eines Haydn-Finales vorführt,» gewinnt aber in jedem Fall zuletzt Überhand. «Die Satztechnik ist unendlich viel einfacher als in Haydns op. 17 oder 20 oder gar in op. 33 (...), aber sie ist doch als Vereinfachung zu erkennen, also keine gleichsam ursprüngliche Simplizität» (Zitate: Ludwig Finscher). Für den Zürcher Musikpädagogen, Verleger und Komponisten Hans Georg Nägeli (1773-1836; noch heute bekannt durch das Chorlied «Freut euch des Lebens») galt gemäss seinen «Vorlesungen über Musik mit Berücksichtigung der Dilettanten» (erschienen 1826) am Ende des 18. Jahrhunderts Pleyel als «der beliebteste, der gespielteste und genossenste Tonkünstler». Nägeli erkannte den Gegensatz der Quartette von Pleyel «mit seinem niederen Styl zu dem höheren Haydn’schen» und bemerkte ausserdem: «Pleyel bot leichtere Kost; die Spielbarkeit, und ebensowohl die Fasslichkeit seiner Quartetten (...) lockte auch schwächere Spieler herbey.» Mozart hatte das Opus 1 «von einem gewissen Pleyel» seinem Vater gegenüber im April 1784 gerühmt. Sie erfüllten vermutlich Leopolds Forderung an seinen Sohn, Quartette sollten «kurz – leicht – popular» sein.

Aufführungen

918 17.1.2017 Quatuor Zaïde