Kammermusik Basel

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Werkdetails

Klaviertrio Nr. 2, Es-dur, op. 100, D 929, mit Urfassung des Finale (1827)

Franz Schubert
1797-1828
Allegro
Andante con moto
Scherzando. Allegro moderato
Finale. Allegro moderato

Bei Schubert handelt es sich bei der bisher in der Regel aufgeführten Version (wie sie in fast allen Ausgaben inkl. gewissen Urtextausgaben vorliegt) nicht um eine echte Zweitfassung, sondern um Kürzungen im Finale. Man ist aufgrund eines Briefs vom 10. Mai 1828 an den Verleger H.A. Probst in Leipzig bisher davon ausgegangen, diese Kürzungen seien Schuberts letzter Wille. Er schrieb: «Die im letzten Stück angezeigten Abkürzungen sind aufs genaueste zu beobachten.» Nun weiss man allerdings, dass der Verleger Schubert mehrfach in den Ohren lag, das Trio sei zu lang und zu schwer, d.h. schlecht verkäuflich. Schubert mag darauf eingegangen sein – ob mit Überzeugung, ist nicht festzustellen. Die zitierte Briefstelle ist mög-licherweise so zu verstehen, dass der Ton nicht so sehr auf der scheinbar definitiven Kürzung als vielmehr auf der genauen Detailausführung liegt. Somit liegt der Fall vielleicht ähnlich wie bei Bruckner, der nicht zuletzt von seinen Freunden und Förderern gedrängt wurde, manche seiner Sinfonien zu kürzen und zu vereinfachen, um Aufführungen überhaupt zu ermöglichen. In der ursprünglichen Fassung, wie sie in einer Rein-schrift von Schuberts eigener Hand vorliegt, ist nichts von diesen Kürzungen zu sehen. Es handelt sich konkret um zweimal 50 Takte. Zudem hat wohl Probst, möglicherweise ohne Schuberts Wissen, die Wiederholung der Exposition weggelassen. Die voll-ständige Version bietet fast sechs Minuten mehr Musik. Lohnt sich die längere Dauer? Alfred Bren-del zieht die kürzere Version vor, und auch die Aufführungspraxis verharrt meist bei der bequeme-ren Version der Erstausgabe. Stefan Mendl (dessen Bemerkungen im Booklet zur Einspielung des Es-dur-Trios mit beiden Finale-Varianten wir in diesen Ausführungen inhaltlich folgen) ist mit seinen Mitspielern «überzeugt, dass nur die vollständige Fassung dieses grandiosen Satzes die »richtigen« Proportionen hat, eine unheimliche Kombination der beiden Seitenthemen bringt, und dass nur durch die Wiederholung die atemberaubend grossangelegte So-natensatzform wirklich zur Geltung kommt». In der Tat wird so das schwedische Lied «Se solen sjunker – Sieh die Sonne untergehen», das Schubert vom Sänger Isak Albert Berg im November 1827 in Wien gehört und im 2. Satz nicht wörtlich, aber in An-lehnung verwendet hat, im 4. Satz nochmals aufge-nommen und in Verbindung mit den anderen Themen eingesetzt und verarbeitet – und zwar vor allem in den später gestrichenen Passagen! Die nach Dur gewendete Wiederaufnahme am Schluss allerdings ist beiden Fassungen gemeinsam.

Aufführungen

796 5.12.2006 Wiener Klaviertrio