Kammermusik Basel

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Werkdetails

«Dichterliebe», Zyklus von 16 Liedern auf Gedichte aus Heinrich Heines «Buch der Lieder», op. 48 (1840)

Robert Schumann
1810-1856
Im wunderschönen Monat Mai
Aus meinen Tränen spriessen
Die Rose, die Lilie, die Taube, die Sonne
Wenn ich in deine Augen seh
Ich will meine Seele tauchen
Im Rhein, im heiligen Strome
Ich grolle nicht
Und wüssten’s die Blumen, die kleinen
Das ist ein Flöten und Geigen
Ich hör das Liedchen klingen
Ein Jüngling liebt ein Mädchen
Am leuchtenden Sommermorgen
Ich hab im Traum geweinet
Allnächtlich im Traume
Aus alten Märchen winkt es
Die alten, bösen Lieder

1840 wandte sich Schumann, der noch 1839 geäussert hatte, er habe "Gesangskompositionen unter die Instrumentalmusik gesetzt und nie für eine grosse Kunst gehalten" von der Komposition reiner Klavierwerke unvermittelt ab und der Liedkomposition zu. 138 Gesänge bilden die reiche Ernte dieses "Liederfrühlings". An seinem Beginn steht der Liederkreis op. 24 nach Heine (aus "Junges Leiden" im "Buch der Lieder"), den man sehr wohl als eine "Kleine Dichterliebe" bezeichnen könnte. Das Ende bilden die 16 Heine-Lieder, diesmal aus "Lyrisches Intermezzo", für die Schumann aus Rückerts "Liederfrühling" den Begriff "Dichterliebe" als Titel übernahm. In beiden Zyklen geht es um Trennung und Liebesschmerz, ja um den endgültigen Verlust der Geliebten. Im Schlusslied von op. 24 ("Mit Myrten und Rosen") nimmt Schumann den berühmten Schluss der "Dichterliebe" vorweg, wirkt aber gegen Heines Absicht versöhnlicher. Er widmet dort seine Lieder der verlorenen Geliebten: Die Lieder werden zwar im Buch "eingesargt", doch einst wird die Geliebte sie "im fernen Land" finden und lesen. Die Dichterliebe dagegen endet sarkastisch-pessimistisch: Kein Sarg kann gross genug sein, um die Lieder, die Liebe, die Tränen und den Schmerz darin zu begraben. Einzig das lange Nachspiel scheint Versöhnung, Rückkehr zum hoffnungsvollen Beginn "im wunderschönen Monat Mai" zu sein. Und doch kehrt der Schluss der Dichterliebe als einziger von Schumanns Liederzyklen nicht zur Anfangstonart zurück. Das Nachspiel führt (in der Orginaltonart) vom cis-moll des Liedes nach Des-dur, nicht zurück zum A-dur des Zyklus-Beginns. Doch auch dort war das A-dur nicht ungetrübt: Bevor die Singstimme einsetzt, pendelt das Klavier unbestimmt zwischen fis-moll, h-moll und Cis-dur. Dahingegen ist Heines Gedicht ausnahmsweise echt gemeint - erst nachher wird sich die berühmte Ironie einstellen. Man hat sich immer wieder gefragt, ob Schumann dieser Ironie gerecht geworden sei, ob nicht seine Melodienseligkeit eindimensional über Heines Doppelbödigkeit hinwegtäuscht, ja ob er sie überhaupt erkannt habe. Gerade die Wahl der Tonarten, das Verschieben der Aussage von der Singstimme in die Vor- und Nachspiele zeigen wohl, dass Schumann die Doppeldeutigkeit und damit auch die Gedankentiefe, die im ersten Blick auf die manchmal fast naiv wirkenden Texte nicht erkennbar ist, zum Ausdruck bringt. Zwar wirkt Nr. 3 wie spielerisches Tändeln, ist aber eher unnatürliches Rasen, oder scheinbar naives Sentiment steigert sich in Bitterkeit oder Resignation (Schlusszeile in Nr. 4; "einst" in Nr. 5). So gewinnt Schumann den Texten eine starke neue Dimension ab, auch wenn das dabei auftretende Pathos heute gelegentlich Mühe bereitet (Nr. 7).

Aufführungen

741 22.1.2002 Thomas Quasthoff, Bariton/Charles Spencer, Klavier