Kammermusik Basel

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Werkdetails

Metamorphosen (Erstfassung für 7 Streicher) (1944/45)

Richard Strauss
1864-1949
Andante – Agitato – Adagio, tempo primo – Sehr langsam (In memoriam)

Dauer ca: 00:30

Die «Metamorphosen. Studie für 23 Solostreicher» sind eines der bedeutendsten Spätwerke von Strauss. Sie waren ein Auftragswerk von Paul Sacher für das Collegium Musicum Zürich, welches sie am 25. Januar 1946 uraufführte. Der 81-jährige Strauss, damals in Baden AG lebend, war bei den Proben anwesend und dirigierte auf eigenen Wunsch einen Durchlauf des Werks, verzichtete aber auf die Anwesenheit im Konzert. Die Basler Erstaufführung fand am 28. Mai 1947 statt. Die Entstehungsgeschichte ist komplex. 1990 fand man in der Schweiz das Particell einer früheren Fassung. Zudem erwähnte Sacher 1995 in einem Gespräch, Strauss habe sich – wann genau, ist unklar – von ihm einen Kompositionsauftrag gewünscht. Den Wunsch übermittelte Willi Schuh. Nach einem Gespräch im August 1944 in Sils-Maria zwischen Sacher, Karl Böhm und Schuh gelangte, von Böhm übermittelt, Sachers Auftrag für eine Streicherkomposition an Strauss. Dieser schrieb Böhm am 30. September, er arbeite «schon seit einiger Zeit an einem Adagio für etwa 11 Solostreicher». Er hatte die Komposition vermutlich im Frühjahr 1944 begonnen, liess aber das Stück liegen. Später reduzierte er die elf Streicher auf sieben und führte das Werk bis zum 31. März 1945 weitgehend zu Ende. Die Fassung für 23 Streicher entstand vom 13. März bis 12. April zum Teil parallel und hat wohl ihre Ursache in Sachers Wunsch nach einer grösseren Besetzung. Das nicht ganz vollständige Particell hat der Cellist Rudolf Leopold unter Beizug der Endfassung spielbar gemacht und dabei die originale Modulation am Schluss beibehalten. «Metamorphosen», nicht etwa Variationen nannte der Komponist das in drei nicht voneinander abgesetzte Hauptteile (langsam – schnell – langsam) gegliederte Stück. Dazu kommt eine Coda von elf Takten. Die Themen verwandeln sich im Verlauf des Stücks beinahe unmerklich, werden wieder aufgegriffen und umgeformt. Erst am Beginn der Coda wird das Ziel dieses ständigen Wandels klar: Strauss zitiert den Beginn des Trauermarsches aus Beethovens «Eroica» und schreibt dazu: «In memoriam». Das Werk wird so als Klagegesang fassbar, dessen Ursachen die Ereignisse gegen Ende des Krieges bilden, nicht zuletzt die Zerstörung der für Strauss so wichtigen Opernhäuser in Weimar, Dresden, Wien und München und des Goethehauses, «der Welt grösstes Heiligtum». Der Titel verweist auf Goethes Metamorphose-Auffassung. Strauss hatte, wie wiederum Sacher berichtet, kurz zuvor zum zweiten Mal in seinem Leben Goethes Gesamtwerk zu Ende gelesen.

Aufführungen

907 23.2.2016 Athenäum Quartett