Kammermusik Basel

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Werkdetails

Klavierquintett h-moll, op. 5 (1913)

Théo Ysaÿe
1865-1918
Lent – Modérément animé
Assez lent, grave
Assez lent, librement – Animé, mais modérément

Théo (eigentlich Théophile) Ysaÿe stammt aus dem östlich von Lüttich gelegenen Verviers. Bei diesem Namen denkt man sofort an den berühmten Geiger (und Komponisten) Eugène Ysaÿe (1858-1931). Er war der um sieben Jahre ältere Bruder von Théo. Wie Franck studierte auch Théo zunächst in Lüttich, später in Berlin, wohin ihn sein Bruder mitgenommen hatte. 1885 schloss er sich in Paris der «Bande à Franck» an und wurde zusammen mit Guillaume Lekeu Francks letzter Kompositionsschüler. Mit seinem Bruder Eugène brachte er die neusten Tendenzen der französischen Musik nach Brüssel. Als ausgezeichneter Pianist trat er einige Jahre lang mit ihm auf Konzerttournéen auf, musste aber diese Tätigkeit aus gesundheitlichen Gründen aufgeben; danach hatte er in Genf eine Klavierprofessur inne. Er hinterliess ein bei uns weitgehend unbekanntes kompositorisches Werk (Sinfonien, Klavierkonzerte, sinfonische Dichtungen, ein Requiem, Vokales und Kammermusik). Seine Musik weist zwar auch Beziehungen zur Musik Faurés oder Debussys auf, wie am Klavier- und Spätwerk erkennbar ist, doch besonders gross ist – gerade im Klavierquintett – die Nähe zur Tonsprache seines Lehrers Franck. Auch formal nimmt Ysaÿe auf dessen Quintett, das erste grosse französische Klavierquintett, Bezug, nicht nur in der Dreisätzigkeit. Das Klavier ist stark in den Gesamtklang integriert und steht eher selten im Vordergrund. Doch wirkt es beim Aufbau von Steigerungen, wie sie aus der franckschen Tonsprache vertraut sind, mit oder untermauert sie klanglich, wenn die Streicher führen. Mit seinen Figurationen steuert es eigene Klangfarben bei. Auffällig sind häufige Tempoverschiebungen und Taktwechsel. Die langsame Einleitung zum ersten Satz beginnt in einer Art Frage mit einem Unisono-Dreitonmotiv (h – fis – ais), das am Schluss des Satzes wieder aufgenommen wird. Beim Eintritt des Haupttempos Modérément animé führt die Violine das lyrische Hauptthema (p – dolce) ein. Den ernsten langsamen Satz leitet das Klavier solo mit einer Art Meditation in cis-moll ein, bei der in den ersten 15 Takten das Metrum achtmal wechselt (4/4, 3/4, 5/4). Auch wenn das Tempo ruhig bleibt, lösen abwechselnd Klavier und Streicher raschere Bewegungen aus. Der Mittelteil des Satzes kehrt zeitweise in die Haupttonart des Werks h-moll zurück. Nach einer grossen, sich langsam und in mehreren Schüben aufbauenden Steigerung findet der Satz seinen Ausklang in leisen und sanften Tönen. Der Schlusssatz ist der kürzeste und schwungvollste des Werks. Auch seine Einleitung ist langsam, wird aber sehr bald durch eine kurze Streicherpassage (Très animé. Fiévreusement) unterbrochen. Den Hauptteil (Animé, mais modérément) mit nun rascherer, den Satz weitgehend bestimmenden Bewegung leitet wieder die 1. Violine ein. Der Dreivierteltakt ist in diesem Satz – bis auf einen Takt vor Beginn des Hauptteils – streng durchgehalten, was auch seinen Schwung mitbestimmt. Tempomodifikationen sind deutlich seltener als zuvor. Das Werk endet im Fortissimo mit einer H-dur-Tonleiter aufwärts im Klavier und zwei H-dur-Akkorden aller Instrumente.

Aufführungen

913 1.11.2016 Ensemble Anastasia Voltchok