Kammermusik Basel

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Werkdetails

Streichquartett Nr. 4, op. 25 «Suite» (1936)

Praeludium: Poco Adagio
Burleske: Vivace. Sehr lebhaft. Äusserste Schnelligkeit, die die Ausführung des
Pizzicato gestattet
Adagietto: Adagio –
Intermezzo: Allegretto – Animato
Thema und Variationen (Barcarole): Poco Adagio –
Finale – Doppelfuge: Allegro molto, energico – Più mosso – Prestissimo

Dauer ca: 00:24

Am 24. Dezember 1935 war Alban Berg 50jährig an einer Blutvergiftung infolge von Furunkulose in Wien gestorben. Das 4. Streichquartett, an dem Zemlinsky während des ersten Halbjahrs 1936 arbeitete, nimmt zweifellos darauf Bezug. Hinweise sind die Bezeichnung „Suite“ im Manuskript und der Aufbau des Werkes. Zemlinsky gestaltet die Hommage an seinen Freund als absolute Musik in Form eines „Tombeau d’ A. B.“, indem er auf Titel und Satzfolge von Bergs „Lyrischer Suite“ von 1926 anspielt, welche ihm mit einem Zitat aus seiner eigenen „Lyrischen Sinfonie“ gewidmet war. Auch im Detail gibt es Entsprechungen. So sind die sechs Sätze ebenfalls motivisch untereinander verbunden und werden je zu zweit (jeweils langsam – schnell) zusammengefasst, was das Werk letztlich dreigliedrig macht. Das Präludium beginnt verhalten. Horst Weber spricht von „versteinerten Akkordfolgen“, als ob sich Zemlinsky aus der Erstarrung nach Bergs Tod erst lösen müsste. Das lyrische Zentrum des Werks bildet das Adagietto; lyrisch bleibt auch die vom Cello eingeleitete Variationenfolge der Barcarole. Zwei Scherzo-Sätze (Burleske und Intermezzo), zu denen sich im Charakter das Fugen-Finale gesellt, bilden dazu den Kontrast. Bemerkenswert sind die kaum zufälligen „Zitate“ von Satzbezeichnungen des von Berg und Zemlinsky verehrten Mahler (Adagietto, Burleske). Zemlinsky fand in den ihm in Europa verbleibenden zwei Jahren kein Ensemble, welches das Werk in Wien, wohin er 1933 zurückgekehrt war, aufführen wollte. 1938 nahm er es bei seiner Emigration mit nach Amerika. Auch dort kam es weder zum Druck noch zu einer Aufführung. Erst 25 Jahre nach dem Tod des Komponisten erfolgte 1967 in Wien die Uraufführung. Zwölf Jahre später, vor dreissig Jahren also, spielte es das LaSalle Quartet das bisher einzige Mal in unseren Konzerten.

Aufführungen

827 20.10.2009 Artis Quartett
498 27.11.1979 LaSalle Quartet