Konzerte Saison 2026-2027

  • 2.2.2027
  • 19:30
  • 101.Saison
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Quatuor Modigliani (Paris)

Das Quatuor Modigliani wurde 2003 von vier jungen Musikern des Pariser Konservatoriums gegründet und hat sich rasch zu einem der gefragtesten jungen Ensembles in Frankreich entwickelt. Die Namensgebung des Ensembles geht auf einen Ausspruch des Malers Amedeo Modigliani zurück: «Deine richtige Aufgabe ist, deinen Traum zu retten.» Es studierte später beim Quatuor Ysaÿe und hat sich bei Walter Levin und György Kurtág sowie beim Artemis Quartett in Berlin weitergebildet. 2004 bis 2006 gewann es drei erste Preise in Holland, Italien und in den USA. Der letzte ermöglichte den Künstlern Konzerte u. a. in der New Yorker Carnegie Hall und im Kennedy Center in Washington. Das Quatuor Modigliani hat mit namhaften Kammermusikpartnern zusammengespielt; genannt seien Gary Hoffman, Paul Meyer, Michel Portal, Sabine Meyer, Sol Gabetta. Es ist am Lucerne Festival 2010, bei der Schubertiade Hohenems, in Gstaad, London, Paris, Amsterdam und Wien sowie in aller Welt aufgetreten. Seine ersten Platteneinspielungen waren Haydn und Mendelssohn gewidmet; 2012 erschien das Album «Intuition» mit Jugendwerken von Mozart, Schubert und Arriaga und soeben die CD mit Quartetten von Debussy, Saint-Saëns und Ravel. Die Haydn-CD erhielt fünf Preise, darunter den «Grand Prix du Disque»; auch «Intuition» wurde ausgezeichnet. Das Quartett spielt italienische Instrumente des 17. und 18. Jahrhunderts. Es gastierte bei uns im Herbst 2010 mit zwei Haydn Quartetten, den «Quelques cercles...» von Karol Beffa und Mendelssohns op. 13 – die Kritik nannte es «ein vorzügliches Konzert» und sprach von «brillantem Klang» und «detaillierter Feingestaltung» des Ensembles.
In seinem Streichquartett «AMEDEA - visage de jeune fille» (Gesichter eines jungen Mädchens) stützt sich der Komponist Kryštof Mařatka auf seine künstlerische Philosophie «origINnovation», indem er sich von universellen Prinzipien der Vergangenheit inspirieren lässt und sie mit dem zeitgenössischen Schaffen verbindet. Während einer retrospektiven Ausstellung des Malers Amedeo Modigliani (1884-1920) war der Komponist von dessen Werk, insbesondere dem Gemälde «Visage de jeune fille», fasziniert. Er erkannte, dass Modiglianis künstlerischer Ansatz auf ähnlichen Prinzipien beruhte wie der, den er in seiner Musik anwendet: die Kombination universeller archaischer Techniken mit zeitgenössischen Methoden. In der Musik verkörpert das Streichquartett eine der intimsten Formen des musikalischen Ausdrucks. Modigliani seinerseits erforscht die Intimität vor allem durch die menschliche Figur, und Kryštof Mařatka lässt sich von einem seiner Porträts inspirieren, indem er unsere eigene Existenz durch die einsame Betrachtung des Gesichts eines anderen in Frage stellt - eine Reflexion der Menschheit durch das Bild einer Frau. Modigliani - Mařatka: jeder mit seiner eigenen Sprache und Kultur, aber beide inspiriert von Frankreich, insbesondere von Paris, wo sie in die multikulturelle künstlerische Energie der Stadt eintauchten. Zwei Künstler, die ihre Wurzeln nie aufgegeben haben, während sie sich voll und ganz ihrer Kunst und dem kosmopolitischen, offenen, frankophonen und freigeistigen Universum, das sie umgab, hingaben.
Schumanns Schaffen verlief in der Frühzeit in Schüben: Auf die Klavierjahre folgten das Liederjahr 1840, das Sinfoniejahr 1841 und das Kammermusikjahr 1842. Doch hatte Schumann bereits 1838/39 an die Komposition von Streichquartetten gedacht, ja wohl auch mit der Komposition begonnen. An Clara schrieb er am 11. Februar 1838: „Auf die Quartette freue ich mich selbst, das Klavier wird mir zu enge, ich höre bei meinen jetzigen Kompositionen oft noch eine Menge Sachen, die ich kaum andeuten kann, namentlich ist es sonderbar, wie ich fast alles kanonisch erfinde.“ Ehe er seine Idee 1842 mit gleich drei Quartetten in die Tat umsetzte, studierte er eingehend die Quartette Mozarts und Beethovens. Auch die Quartette Mendelssohns, dessen drei Quartette op. 44 1837/38 entstanden, fehlten nicht. Ihm widmete er seine neuen Werke - und hält sich auch formal mehr an diese Vorbilder als etwa an Beethoven. Noch 1847, als er sich mit der Komposition von Klaviertrios wieder der Kammermusik zuwandte, freute er sich an seinen einzigen Streichquartetten: „Ich betrachte sie noch immer als mein bestes Werk der früheren Zeit, und Mendelssohn sprach sich oft in demselben Sinne aus.“ Das 3. Quartett darf wohl als Höhepunkt gelten (Mendelssohn gab allerdings bei der ersten privaten Aufführung der Nr. 1 den Vorzug.), ist es doch auch das schwungvollste der drei. Innerhalb dieses Werks dürfte der 2. Satz der ungewöhnlichste sein, ein Pseudo-Scherzo, das sich zu einer Variationenfolge in fis-moll entwickelt. Vor dem heiteren Finale, das von sanglichen Einschüben unterbrochen wird, erklingt ein ebenfalls rondoartig angelegtes Adagio in D-dur, das von ausdrucksvoller Lyrik geprägt ist.

Kryštof Mařatka 1972-

AMEDEA - visage de jeune fille

Joseph Haydn 1732-1809

Streichquartett Nr. 81, G-dur, op. 77, Nr. 1, Hob. III:81 (1799)
Allegro moderato
Adagio
Menuet: Presto – Trio
Finale: Vivace

Robert Schumann 1810-1856

Streichquartett Nr. 3, A-dur, op. 41/3, Felix Mendelssohn-Bartholdy gewidmet (1842)
Andante espressivo – Allegro molto moderato
Assai agitato (con variazioni) – Un poco adagio – Tempo risoluto
Adagio molto
Finale: Allegro molto vivace – Quasi Trio