In seinem Streichquartett «AMEDEA - visage de jeune fille» (Gesichter eines jungen Mädchens) stützt sich der Komponist Kryštof Mařatka auf seine künstlerische Philosophie «origINnovation», indem er sich von universellen Prinzipien der Vergangenheit inspirieren lässt und sie mit dem zeitgenössischen Schaffen verbindet. Während einer retrospektiven Ausstellung des Malers Amedeo Modigliani (1884-1920) war der Komponist von dessen Werk, insbesondere dem Gemälde «Visage de jeune fille», fasziniert. Er erkannte, dass Modiglianis künstlerischer Ansatz auf ähnlichen Prinzipien beruhte wie der, den er in seiner Musik anwendet: die Kombination universeller archaischer Techniken mit zeitgenössischen Methoden. In der Musik verkörpert das Streichquartett eine der intimsten Formen des musikalischen Ausdrucks. Modigliani seinerseits erforscht die Intimität vor allem durch die menschliche Figur, und Kryštof Mařatka lässt sich von einem seiner Porträts inspirieren, indem er unsere eigene Existenz durch die einsame Betrachtung des Gesichts eines anderen in Frage stellt - eine Reflexion der Menschheit durch das Bild einer Frau. Modigliani - Mařatka: jeder mit seiner eigenen Sprache und Kultur, aber beide inspiriert von Frankreich, insbesondere von Paris, wo sie in die multikulturelle künstlerische Energie der Stadt eintauchten. Zwei Künstler, die ihre Wurzeln nie aufgegeben haben, während sie sich voll und ganz ihrer Kunst und dem kosmopolitischen, offenen, frankophonen und freigeistigen Universum, das sie umgab, hingaben.
Schumanns Schaffen verlief in der Frühzeit in Schüben: Auf die Klavierjahre folgten das Liederjahr 1840, das Sinfoniejahr 1841 und das Kammermusikjahr 1842. Doch hatte Schumann bereits 1838/39 an die Komposition von Streichquartetten gedacht, ja wohl auch mit der Komposition begonnen. An Clara schrieb er am 11. Februar 1838: „Auf die Quartette freue ich mich selbst, das Klavier wird mir zu enge, ich höre bei meinen jetzigen Kompositionen oft noch eine Menge Sachen, die ich kaum andeuten kann, namentlich ist es sonderbar, wie ich fast alles kanonisch erfinde.“ Ehe er seine Idee 1842 mit gleich drei Quartetten in die Tat umsetzte, studierte er eingehend die Quartette Mozarts und Beethovens. Auch die Quartette Mendelssohns, dessen drei Quartette op. 44 1837/38 entstanden, fehlten nicht. Ihm widmete er seine neuen Werke - und hält sich auch formal mehr an diese Vorbilder als etwa an Beethoven. Noch 1847, als er sich mit der Komposition von Klaviertrios wieder der Kammermusik zuwandte, freute er sich an seinen einzigen Streichquartetten: „Ich betrachte sie noch immer als mein bestes Werk der früheren Zeit, und Mendelssohn sprach sich oft in demselben Sinne aus.“ Das 3. Quartett darf wohl als Höhepunkt gelten (Mendelssohn gab allerdings bei der ersten privaten Aufführung der Nr. 1 den Vorzug.), ist es doch auch das schwungvollste der drei. Innerhalb dieses Werks dürfte der 2. Satz der ungewöhnlichste sein, ein Pseudo-Scherzo, das sich zu einer Variationenfolge in fis-moll entwickelt. Vor dem heiteren Finale, das von sanglichen Einschüben unterbrochen wird, erklingt ein ebenfalls rondoartig angelegtes Adagio in D-dur, das von ausdrucksvoller Lyrik geprägt ist.