Kammermusik Basel

Kammermusik Basel

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Konzert-Details

613

21.11.1989, 20:15 Uhr ( 64. Saison Zyklus A )
Stadtcasino, Festsaal

Carmina Quartett (Zürich)
Oliver Widmer, Bass

Enderle, Matthias, Violine 1
Frank, Susanne, Violine 2
Champney, Wendy, Viola
Goerner, Stephan, Violoncello

Widmer, Oliver, Bass

Das Carmina Quartett darf heute zu Recht als das namhafteste unter den Schweizer Quartetten bezeichnet werden. Das 1984 gegründete Ensemble konnte bald grosse Erfolge aufweisen, so 1987 beim Borciani-Wettbewerb. Im gleichen Jahr trat es erstmals in unseren Konzerten auf; heute ist es zum siebten Mal zu Gast. Das national und international gefragte Quartett plant sein Repertoire äusserst sorgfältig und studiert die ausgewählten Werke mit grösster Gewissenhaftigkeit ein. Dies ist nicht nur in den Konzerten zu hören, sondern auch bei Platteneinspielungen, etwa der Quartette von Ravel, Debussy, Szimanowsky, Haydn oder Brahms. Um so erfreulicher ist es, dass das Carmina Quartett nicht nur das Quartettrepertoire pflegt, sondern immer wieder mit ausgezeichneten Kammermusikpartnern auftritt. Eine der neusten Aufnahmen umfasst Othmar Schoecks «Notturno» mit Olaf Bär. Diese Aufnahme zeigt, dass das Carmina Quartett nicht nur das reine Quartettrepertoire pflegt, sondern immer wieder mit namhaften Partnern auftritt, was in unseren Konzerten - wie auch heute - meistens der Fall war.

Joseph Haydn
1732-1809

Streichquartett Nr. 75, G-dur, op. 76, Nr. 1, Hob. III:75 (1797)

Allegro con spirito
Adagio sostenuto
Menuetto: Presto – Trio
Finale: Allegro ma non troppo

Streichquartett Nr. 60, A-dur, op. 55, Nr. 1, Hob. III:60 (1788?)

Allegro
Adagio cantabile
Menuetto – Trio
Finale: Vivace

Othmar Schoeck
1886-1957

Notturno, fünf Sätze für Streichquartett und eine Singstimme, nach Texten von Nikolaus Lenau und Gottfried Keller, op. 47 (1933)


(zu Haydn, Streichquartett Nr. 75, G-dur, op. 76, Nr. 1, Hob. III:75)

Haydns Quartette op. 76 und 77, 1797 bzw. 1799, sieben und neun Jahre nach Mozarts letzten Beiträgen zur Gattung entstanden, bilden den End- und Höhepunkt der Streichquartettkomposition des 18. Jahrhunderts. Das Opus 76, die letzte Sechserserie Haydns, enthält bedeutende Stücke, ob sie nun einen Namen tragen wie das Quinten-, Kaiser- oder Sonnenaufgang-Quartett oder nicht. Die Nr. 1 ist eines der schönsten und beliebtesten, obwohl es (sieht man von der Bezeichnung Erdödy-Quartette nach dem Widmungsträger Graf Joseph Erdödy für das ganze Opus ab) beinamenlos ist. Es ist dicht und konsequent gearbeitet, und doch lockern kantable und heitere Momente die ernsthaften Partien auf. Als einziges dieser Spätwerke weist es eine – wenn auch knappe – Einleitung auf: drei Forteakkorde. Nach diesem zweitaktigen «Vorhang auf-Motiv» setzt das Thema ein, doch nicht in der ersten Violine, sondern es wird, in g-moll mit dem Cello beginnend, fugenartig auf alle Instrumente verteilt. Die Fugenform wird nicht weitergeführt; eine volkstümliche Melodie bringt ein Seitensatzthema ins Spiel, so dass doch noch ein Sonatensatz zustande kommt. Das mozartnahe Adagio in C-dur, wohl einer der schönsten langsamen Sätze Haydns, verbindet Kantabilität und konzertantes Prinzip. Das Presto-Menuett kann man als Haydns erstes Scherzo im beethovenschen Sinne bezeichnen; das Trio setzt als Kontrast auf ländlerartige, oberstimmenbetonte Volkstümlichkeit. Das Finale, ein Sonatensatz, ist das längste Finale in diesem Opus und wohl auch in Haydns ganzem Quartettschaffen. Es beginnt fortissimo und unisono düster in g-moll, nimmt dann lieblichere Formen an und endet in geradezu gassenhauerhafter Heiterkeit.

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