Concerts Season 2022-2023

  • 7.3.2023
  • 19:30
  • 97.Season
  • Abo 8
Stadtcasino Basel, Hans Huber-Saal

Bennewitz Quartett (Prag)

The Bennewitz Quartet is one of the top international chamber ensembles, a status confirmed not only by their victories in two prestigious competitions – Osaka in 2005 and Prémio Paolo Borciani, Italy in 2008, but also by the acclaim of the critics. As early as 2006, the German Frankfurter Allgemeine Zeitung wrote: "... the music was remarkable not just for its clarity of structure, but for the beautiful tonal palette and purity of intonation in its execution. Only very rarely does one experience such skillfully crafted and powerful harmonies... Great art." The ensemble has received various awards on the Czech music scene as well. In 2004 the quartet was awarded The Prize of the Czech Chamber Music Society and in 2019 the four musicians won the Classic Prague Award for the Best Chamber Music Performance of the year.

The quartet currently performs at major venues both in the Czech Republic and abroad (Wigmore Hall London, Musikverein Wien, Konzerthaus Berlin, Théâtre des Champs-Elysées Paris, The Frick Collection New York, Seoul Art Center, Rudolfinum and others), and is regularly invited to festivals such as the Salzburger Festspiele, Luzerne Festival, Rheingau Musik Festival, Kammermusikfest Lockenhaus, and the Prague Spring. The group has had the privilege of working with the outstanding artists: Jean-Yves Thibaudet, Alexander Melnikov, Vadim Gluzman, Isabel Charisius, Pietro de Maria, Reto Bieri, Danjulo Ishizaka and others.

The members of the quartet put a lot of stress on the inspiring and sometimes challenging choice of their concert repertoire. In 2012 and 2015, the ensemble performed in a sole evening the complete of Bartók’s six string quartets in Maggio Musicale Fiorentino and in Swedish Upsala. In 2014, the four presented a premiere of The Songs of Immigrants by Slavomír Hořínka in Konzerthaus Berlin. In 2019 the quartet added a new CD in its discography featuring the music of the persecuted Jewish composers H. Krása, V. Ullmann, E. Schulhoff and P. Haas on the Supraphon label.

Since 1998 the quartet bears the name of the violinist and director of a music conservatory in Prague, Antonín Bennewitz (1833-1926) who contributed greatly to the establishment of the Czech violin school. The most significant musicians who count among his disciples are Otakar Ševčík and František Ondříček and above all Karel Hoffman, Josef Suk and Oskar Nedbal who, under Bennewitz’s influence, formed the famous Bohemian Quartet.

Dvořáks C-dur-Quartett op. 61 ist eher selten zu hören und wird auch gelegentlich kritisiert. Alec Robertson befindet in seiner Dvořák-Biographie von 1945 (deutsch 1947): «Für das C-dur-Quartett kann man Bewunderung, aber keine Liebe empfinden.» Vielleicht lag es an der Entstehungsgeschichte. Das Quartett war ein Auftrag des Wiener Geigers Joseph Hellmersberger jun. von 1881. Dvořák sah keinen Grund zur Eile, arbeitete er doch gerade an seiner Oper Dimitrij. Da erfuhr er aus der Presse, dass das Hellmersberger-Quartett sein Werk am 15. Dezember in Wien aufführen werde. Er machte sich rasch ans Werk und schrieb das Stück zwischen dem 25. Oktober und 10. November. Das erklärt wohl, warum Dvořák auf frühere, nicht verwendete Sätze zurückgriff. Der Kopfsatz dagegen entstand gleich zweimal; die erste Komposition in F-dur wurde verworfen. Dazu mag ein gewisser Druck gekommen sein, Musik für Wien und Wiener Musiker zu schreiben – wie konnte man da an den Grossen der Wiener Komponisten vorbeikommen? Man hat im Kopfsatz des Quartetts intensive Auseinandersetzung mit dem Beethoven des op. 59 festgestellt, ausserdem im langsamen Satz mit Schubert. So ist es eben kein slawisches Werk geworden, sondern eines auf den Spuren der Wiener Klassik. Dvořák verzichtete bewusst auf den slawischen Tonfall, der das vorangehende op. 51 geprägt und zum Erfolg geführt hatte. So ist der 3. Satz ein reines Scherzo (à la Beethoven) und kein «slawischer Tanz». Einzig im Schlusssatz bringt eine skocna ein böhmisches Element hinein, das befreiend wirkt. Der grandioso-Schluss scheint dann doch wieder mehr sein zu wollen als slawisches Gefühl und Spielfreude. Die Kritik bedauerte den Verzicht auf das Slawische und bewertete das Werk eher ungünstig: Dvořák hatte eben slawisch-natürlich zu komponieren und nicht kunstvoll-gesucht! Er selber war anderer Meinung, nannte er das Werk doch «von meinen Kammermusikstücken das grösste und das vollendetste». – Der Clou der Sache: Wegen des Brandes des Wiener Ringtheaters am 8. Dezember 1881 mit offiziell 384 (oder mehr) Toten hatte Kaiser Franz Joseph Staatstrauer angeordnet; Konzerte durften keine stattfinden. Die Uraufführung erfolgte erst am 2. November 1882 (Veröffentlichung bereits im Februar) durch das Joachim-Quartett – in Berlin! Wie wäre das Quartett herausgekommen, hätte Dvořák dies gewusst? Gut berlinerisch oder doch eher wie das 1879 für Berlin komponierte op. 51 echt böhmisch?