Dass Anton Webern – wie es ein amerikanischer Autor formulierte – «in zwei Minuten mehr sagen kann, als die meisten anderen Komponisten in zehn», liegt daran, dass er die Kunst der musikalischen Verdichtung, die Möglichkeiten der Konzentration aller Ebenen wie Rhythmik, Harmonik und Klangfarbe auf die Spitze getrieben hat. Mit Arnold Schönberg und Alban Berg gilt Webern als Pionier der Zwölftontechnik. Von 1904 bis 1908 war er Schüler von Arnold Schönberg. 1909 komponierte er sein Opus 5: fünf Streichquartettsätze, in denen sich in etwa neun Minuten Gesamtdauer die expressiven Formeln der zu Ende gegangenen und überkommen Spätromantik auf engstem Raum wie in Aphorismen bündeln – und dies in ihrer Freiheit der Dissonanzbehandlung als Zwischenschritt zur eigentlichen Zwölftonmusik, die erst ein Jahrzehnt später entstand. Entsprechend waren die Reaktionen: «… nicht ein Ton zu viel, von allem nur die Frucht, das innerste Wissen, die kleinste Bewegung», lobte der Musikkritiker Paul Stefan das Opus nach der Uraufführung 1910 in Wien. Bei einer Darbietung in Salzburg 1922 dagegen soll es zu solchen Protesten gekommen sein, dass der Saal geräumt werden musste.