Es hat lange gedauert, bis der polnisch-russische Komponist Mieczysław Weinberg seine verdiente Entdeckung erlebte. Ein besonderer Anlass war sein 100. Geburtstag im Jahre 2019, die einiges aus seinem Werk – darunter einundzwanzig vollendete Sinfonien, sechs Opern, Konzerte sowie Klavier- und Kammermusik – auch im Westen auf die Podien brachte. Weinberg studierte in Warschau, musste miterleben, wie seine Heimatstadt im Zweiten Weltkrieg in Flammen aufging und er selbst verfolgt wurde. Über Minsk kam er auf der Flucht ins sowjetische Taschkent. Von hier schickte er 1943 dem berühmten Kollegen Dmitri Schostakowitsch seine erste Sinfonie zur Begutachtung. Die Folge war eine Einladung nach Moskau und eine tiefe Freundschaft der beiden, die eine wahre Seelenverwandtschaft offenbarte. Diese soll sogar so weit gereicht haben, dass man sich alle musikalischen Ideen vor weiterer Verarbeitung zeigte und angeblich Themen «vorausträumte», die dann dem anderen einfielen. Was beide auch teilten, waren die Repressalien der von Antisemitismus geprägten stalinistischen Kulturpolitik. 1945, noch in den Kriegswirren, komponierte Weinberg sein Klaviertrio op. 24 – ein emotionales Zeugnis wahrer Verzweiflung, aber nicht nur auf rein expressionistischer Ebene. Die Musik vollzieht sich über weite Strecken wie in einer ziellos voranarbeitenden, oft ins Gewalttätige ausbrechenden Maschinerie gefangen, der man hilflos ausgeliefert scheint.