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  • Streichquartett Nr. 2, op. 15 (1910/15)

Alexander von Zemlinsky 1871-1942

«Ich habe immer fest geglaubt, dass er ein großer Komponist war, und ich glaube noch immer fest daran. Möglicherweise wird seine Zeit früher kommen, als man denkt.» Diese Zeilen schrieb Arnold Schönberg über seinen Kompositionslehrer Alexander Zemlinsky im Jahre 1949 – sieben Jahre, nachdem Zemlinsky einsam und verarmt im amerikanischen Exil verstorben war. Zu Lebzeiten nahm man Zemlinsky eher als Dirigenten und Pädagogen wahr. Neben Schönberg gehörte auch der frühbegabte Erich Wolfgang Korngold zu seinen Schülern. Ausserdem Alma Schindler, in die sich Zemlinsky verliebte und die ihm immer wieder Avancen machte, bis sie jedoch einen anderen heiratete: Gustav Mahler. Nach einer Station in Prag kam Zemlinsky als Kapellmeister der Krolloper und Hochschullehrer nach Berlin, von wo aus ihn die Nationalsozialisten vertrieben. Der Versuch, noch einmal in seiner Heimstadt Wien Fuss zu fassen, scheiterte. 1938, vier Jahre vor seinem Tod, ging Zemlinsky in die USA, und erst in den 90er Jahren des 20. Jahrhunderts kam es zu der Entdeckung, die Schönberg prophezeit hatte. Man erkannte in dem Komponisten endlich einen wichtigen Vertreter des Übergangs von der Spätromantik zur Moderne. Die Wiederentdeckung seiner Werke verzögerte sich auch deshalb, weil Zemlinsky als Komponist selbst dem radikalen Weg der Atonalität, den sein Schüler Schönberg beschritt und den die Moderne nach dem Krieg weiterging, nicht hatte folgen wollen. Und gerade das zweite Streichquartett steht für die Grenzen, die sich Zemlinsky in Bezug auf die Grundlagen der Tonalität zog. Das Stück, das als Hauptwerk seines Kammermusikschaffens gilt, ist ein vielschichtiges Zeugnis für die Auseinandersetzung mit seinem Schwager (Schönberg hatte 1901 Zemlinskys Schwester Mathilde geheiratet) – und das auch sehr persönlich. Im Jahre 1913, als Zemlinsky mit dem Quartett begann, kam es mit dem Schwager zu einem Streit aus nicht näher bekannten Gründen, in dessen Folge Schönberg sogar einen Kontaktabbruch vorschlug. In der aus einem einzigen grossen Satz bestehenden, geradezu monumentalen Komposition knüpfte Zemlinsky strukturell an Schönbergs erstes Quartett von 1905 an. Als er es zwei Jahre später vollendet hatte, widmete er es dem Schwager – vielleicht als Entschuldigung.
Sehr mässig–Heftig und leidenschaftlich–Moderato–Andante mosso–Allegretto–
Adagio –
Schnell – Andante – mit energischer Entschlossenheit –
Allegro molto – Langsam – Andante